Hier bewegt sich nicht nur der Bauch
Tanz zwischen den Welten: Fatima Serin und ihr nunmehr zehntes Orientalisches Tanzfestival
Saarbrücken. Bereut hat sie es nicht, da zu sein, wo sie jetzt ist - nämlich eine überaus gefragte orientalische Tänzerin, die erfolgreich im In- und Ausland auftritt. Eine angesehene Lehrerin, die bundesweit und bei international renommierten Tanzfestivals Workshops leitet. Eine Dozentin, die auf Fachmessen Vorträge über den Orient hält. Eine beliebte Wahl-Saarländerin, die in der Landeshauptstadt Saarbrücken fünf Tanzgruppen unterrichtet, deren Teilnehmer sogar aus Trier und Kaiserslautern anreisen, um an ihrem Unterricht teilzunehmen. Und obendrein organisiert die bezaubernde Power-Frau auch noch ein außergewöhnliches orientalisches Tanzfestival: Es findet am Samstag, 8. März, in der Waldorfschule in Saarbrücken - Altenkessel zum zehnten Mal statt.
Fatima Serin war zwölf Jahre alt, als sie nach Deutschland kam. Ihr Vater holte die Familie nach Kaiserslautern, wo er arbeitete. Das Tanzen verwarf sie zunächst - aus Rücksicht auf die Familie. In ihrer neuen Heimat machte sie zunächst eine Ausbildung als Verkäuferin im Einzelhandel, später wurde sie Erzieherin. Um sich zu bewegen, ging sie in ein Fitnessstudio. Dort sah sie andere Frauen, die orientalisch tanzten. „Ich konnte nicht fassen, dass es so etwas in Kaiserslautern gibt", erinnert sich die Tänzerin lachend an diese Zeit zurück. Und dann ging alles ganz schnell. Als ihre damalige Tanzlehrerin einen Tunesier heiratete, verbot dieser ihr das Tanzen. Serin übernahm den Job. Es folgten viele Workshops und Aufenthalte im Orient, bei denen Serin sich mit den Stilen vertraut machte und den eigenen perfektionierte. Fatima Serin - Tänzerin aus Leidenschaft, Mensch mit Langzeitwirkung.
Auf die Frage nach einem Wunsch, einem besonderen Ziel, das sie als Tänzerin noch nicht erreicht hat, antwortet sie: „Mein größter Wunsch ist es, einen Beitrag zum friedlichen Miteinander unterschiedlicher Kulturen zu leisten." Diese junge Frau beeindruckt. „Der Weg zur anerkannten Tänzerin ist hart, und wer ihn in seiner orientalischen Heimat geht, der opfert vieles", erzählt sie.
Serin ist Kurdin, in Tunceli geboren. Mit dem orientalischen Tanz kommt man dort automatisch in Berührung, schon als Kind. Man tanzt mit den Frauen oder in der Schule, vor allem aber auf Hochzeiten, auf denen das Engagement einer Tänzerin ein Muss ist. „Viele Leute laden eine Tänzerin aus Prestigegründen ein. Im Orient haben orientalische Tänzerinnen einen ganz besonderen Stellenwert: Sie sind richtige Berühmtheiten und tauchen ständig in den Medien auf. Sie finden große Anerkennung - solange ,Mann' sie nicht persönlich kennt." Die Kurdin spricht von einer unvorstellbaren „Doppelmoral". Auf der einen Seite schaut der Mann sich gerne den Tanz an, auf der anderen Seite nimmt er Abstand davon, wenn die Künstlerin aus der eigenen Familie kommt. So kam es, dass Fatimas Vater sechs Jahre lang kein Wort mit ihr sprach. Ihr Tanzen und ihr Leben in einer eigenen Wohnung waren unvereinbar mit Seiner Welt. Erst kurz vor seinem Tod kam es zur Versöhnung.
Für tanzende Männer kommt es im Orient sogar noch schlimmer: In Iran beispielsweise dürfen sie überhaupt nicht tanzen. „In manchen Ländern wird der Tanz von Männern mit Homosexualität gleich gesetzt, und das kann im schlimmsten Fall mit dem Tod enden." Fatima Serin weiß sehr genau, wovon sie spricht. Zum Glück gibt es auch im Westen dieser Welt große Szenen des orientalischen Tanzes. Hierzulande bieten unter anderem verschiedene Volkshochschulen und einige Tanzstudios zahlreiche Möglichkeiten an - für Menschen mit oder ohne Bauch. „Es gibt Tänzerinnen, die keinen großen Bauch haben", berichtet Fatima Serin. „Der Begriff Bauchtanz ist ohnehin ein großer Trugschluss, denn im Grunde ist der ganze Körper in Bewegung. Bauchtanz ist ein Kunstwort, das reiche Reisende aus Europa im 1 hundert kreiert haben, als sie zun Mal orientalischen Tanz gesehen Da zeigten Frauen ihre nackten und machten auch noch lasziv gungen dazu: die Arme nach oh gende Hüften und vibrierendes Fleisch ein ausgesprochener Schock - zu den damaligen Zeiten jedenfalls.















