Fatima Serin - Presse
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Orient-Magazin Nr. 03-2005

Merhaba

Orientalisches Tanzfestival von Fatima Serin

TEXT: CHRISTINE NIEDRICHSTIEBRITZ
PHOTOS: MARKUS TETZLAFF

Einen erstklassigen Gala-Abend eröffnete beim Merhaba Festival am 19. März die Live-Band AI Sharq unter Leitung des symphatischen Tabla-Spielers Abu Hassan. AI Sharq ist als eine der wenigen Live-Bands außerhalb Berlins zu einer festen Größe in der Orientalischen Szene geworden. Die Bandmitglieder kommen aus den unterschiedlichsten arabischen Ländern: der Keyboarder Hossam aus Jordanien; Assad, er spielt Gitarre und Oud, aus Tunesien; am Akkordeon Magdy aus Ägypten sowie ein weiterer Percussionist, Najed, aus Palästina.

Helena Lehmann, die an diesem Abend durch das Programm führte, kündigte danach das Ensemble Banal el Amar an. Schon viele Jahre leitet Fatima diese Gruppe und - wie man sich überzeugen konnte - mit viel Erfolg: Die anspruchsvolle Melaya Leff-Choreographie absolvierten sie synchron und mit Ausstrahlung - ganz die selbstbewußten Kairoerinnen, die mit ihrem großen schwarzen Tuch mehr spielten als sich verhüllten. Danach folgte das Teenie-Ensemble, die „Perlen des Orients", die in ihrer Grundbesetzung bereits seit sieben Jahren tanzen. Neu an diesem Abend dabei: Tina. Den drei jugendlichen Tänzerinnen - alle in prächtigen Bella-Kostümen - gelang ein beeindruckendes Trommelsolo mit saudischen Elementen, das vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde. Atemberaubend exotisch, mit hundertfach durch den Körper gleitenden Schlangenwellen, nahm Karine, gekrönt von einer Lichterhaube, nun das Publikum gefangen. Die erst 22jährige Ausnahmetänzerin kommt aus Riga, der Hauptstadt Lettlands, wo sie auch ein eigenes Ensemble, das Exotic Dance The-atre, leitet, das seit zwei Jahren auch bei großen internationalen Festivals, wie dem ORIENT-MAGAZIN-Festival in Augsburg und der World of Orient in Hannover, großen Eindruck hinterlassen hat. Mit Ballet Oriental als Motto, versuchte Omar, drei kleine Geschichten tänzerisch zu erzählen. Der in Argentinien geborene Libanese unternimmt eine eigenwillige Gratwanderung zwischen den Stilrichtungen, um einen neuen Weg als Mann im Orientalischen Tanz zu finden. Ob ihm das gelingt, wird nicht zuletzt das Publikum entscheiden müssen. Ein weiteres Ensemble von Fatima Serin, die neunköpfige Gruppe Banal el Halawa, konnte mit dem Basbousa Baladi mit anschließendem Trommelsolo überzeugen. Auch hier eine in Choreographie und ästhetischer Präsentation absolut stimmige und anspruchsvolle Gruppendarbietung.

Der mit Spannung erwartete Stargast des Abends betrat die Bühne. Liza Laziza (laziz= schmackhaft), gebürtige Iranerin, aufgewachsen in London, tanzt seit mehr als 16 Jahren. Die Autodidaktin begann ihre Karriere in Paris. Nach Auftritten in London, Tunesien, Jordanien, Syrien und den Golfstaaten erfüllte sich ihr Traum, in Kairo aufzutreten, wo sie inzwischen einen großen Teil des Jahres als anerkannte Tänzerin und Entertainerin lebt. Dort hat sie nach Jahren des Selbststudiums auch Unterricht bei Diana genommen, um sich mit allen Facetten des ägyptischen Tanzes vertraut zu machen und neue Inspirationen für ihren eigenen Stil zu erhalten. Auch auf hochkarätige internationale Engagements kann Liza Laziza verweisen. So tanzte sie für Prinz Charles und Camilla, Georg Bush und für Fürst Albert II. von Monaco.

Orientalischer Tanz, das bedeutet für Liza, Leidenschaft und Gefühlen wie Traurigkeit, Freude, Verspieltheit und Sinnlichkeit künstlerischen Ausdruck zu verleihen. All diese Gefühle legte sie auch an diesem Abend in ihre Interpretation verschiedener Stücke von Oum Kalthoum. Das besondere Highlight für eine jede Orientalische Tänzerin und das interesierte Publikum ist der Auftritt mit arabischer Live-Musik. Fatima Serin, die nun bereits seit mehreren Jahren sehr erfolgreich dieses Saarbrücker Festival initiert und mit dem Titel Merhaba (sie ist als Tochter kurdischer Eltern in der Türkei geboren) einen passenden Namen gefunden hat, ließ sich diese Gelegenheit natür- lich nicht entgehen. Mit einem klassischen Orientalischen Tanz, gewürzt mit spaßigen Trommelimprovisationen durch Abu Hassan, begeisterte sie das Publikum und bot so einen würdigen Abschluß der ersten Programmhälfte.

Nach einem weiteren Instrumentalstück, vorgetragen von AI Sharq, eröffnete das dritte, ebenfalls sehr gute Ensemble von Fatima Serin, Banat el Sahara, mit Tamerhenna den zweiten Teil. Danach gehörte die Bühne Danyela, einer langjährigen Tanzkollegin von Fatima. Ihr gelang ein überaus temperamentvoller und sehr unterhaltsamer Tambourintanz. Im nächsten Programmpunkte zeigte der in Buenos Aires geborene Omar einen argentinischen Tango, den er ohne Partnerin recht frei und ebenso eigenwillig wie sein „Ballett" umsetzte.

Auch im zweiten Teil war noch einmal Karine zu bestaunen. In einem phantasievollen weis-sen Kostüm mit extravaganter Kopfbedeckung zeigte sie einen kurzen Schleiertanz. In einem roten Zweiteiler, jedoch mit schmaler Silhouette, bot Fatima einen typischen Baladi. Er verpackt eine kleine nette Geschichte von „Bent Belat", einem Mädchen vom Lande, das in ihrem schönen Kleid am Fenster steht und einen vorübergehenden jungen Mann betrachtet.

Zu einem stimmungsvollen Höhepunkt des Abends hob nun Liza Laziza an. Dabei ließ sie alle Puppen - oder besser gesagt - den Stock tanzen. Sie griff ganz tief in die Trickkiste und neckte das Publikum bei einem spritzigen Saidi mit ihrem Stock, den sie über alle erdenklichen Rundungen hüpfen ließ. Danach ganz die internationale Entertainerin, bedankte Liza Laziza sich dreisprachig beim Publikum und unter begeisterter Mitwirkung des applaudierenden Publikums zeigte sie ein überaus raffiniertes Trommelsolo. Auch im nächsten Frühjahr möchte Fatima Serin ihr Publikum wieder einmal mit einem herzlichen Merhaba begrüßen.